Karen Stuke

In ihrer Fotoserie Sleeping Sister thematisiert Karen Stuke Raum und Zeit gleichermaßen. Mit einer Kamera Obscura dokumentiert sie den Ablauf des Schlafes, die stundenlange Belichtungszeit verdichtet sich in einem einzigen Bild, in dem jeder Wimpernschlag, Traum und Alptraum additiv festgehalten scheint.

„Karen Stukes Camera obscura träumt einen doppelten Traum: als Camera in einer Kamera. Geduldig und still beobachtet die Schwarze Schachtel die Inszenierung einer Theaterbühne oder eines Schlafzimmers. Über Minuten und Stunden nimmt sie die flüchtigen Bilder in sich auf und versammelt ihre Lichteindrücke auf dem Film. Es sind Langzeitbeobachtungen, in denen sich die Zeitphasen überlagern und zu einem Gesamteindruck verschmelzen. Ein ganzheitliches Bild entsteht. Es entspricht dem Eindruck, der im Gedächtnis haften bleibt und abgerufen wird, wenn man sich nach Zeiten an eine Theateraufführung erinnern mag. Sie hinterlässt den Bildeindruck von Helligkeiten, Dunkelheiten, von spontaner Bewegung oder ruhigem Fluss, von Buntheit oder grauen Szenen.

Weniger scheinen dagegen Einzelheiten auf. Vielleicht doch das eine oder andere Detail, wenn es besonders prägnant auftrat oder die ganze Zeit über still verharrte und so einen bleibenden Eindruck hinterließ. Auch solche Momente sind in den  Fotos zu erkennen und geben ihnen Halt und dem Blick auf sie eine gewisse Orientierung, so dass sie – bei aller Abstraktheit – doch auch wieder ganz realistisch wirken. Nicht im Hinblick auf die Fixierung eines konkreten Geschehens vor der Kamera, als vielmehr im Hinblick auf die Wahrnehmung und Speicherung dessen im eigenen Gedächtnis. Es sind nicht direkte Abbilder sondern Bildreflexe, die auf diese Weise zustande kommen, indexikalische Zeichen, die die eigenen Verhältnisse thematisieren und sie gestaltend in sich einschließen. Das Konzept des Bildes bestimmt seine Form und Gestalt. …

Ganz überraschend wirken in diesem Oevre die Schlafbilder, in denen sich die Fotografin über Nacht selbst beobachtet. Es vergehen Stunden, während derer die Camera, still gestellt und mit geöffnetem Verschluss, die Eindrücke der Dunkelheit nach und nach sammelt und speichert. Erst gegen Morgen wird ihr intimer Blick beendet, der Tag beginnt. Zurück bleiben langsame, friedliche Bilder auf der Grenze zwischen Nähe und Distanz, zwischen Tag und Traum.“

(Gottfried Jäger aus dem Buch: “Die Trilogie der schönen Zeit, oder: Warten macht mir nichts aus!”)

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