* Jana Seehusen

Jana Seehusen: Gischt – aus „Auf anmutige Art eine Bestie zu bändigen“

Die Aussicht aufs Meer beginnt fernab der See mit Blick auf die Bilder derselben. Gebräuchlich als Metapher des Aufbruchs oder Untergangs, des Ungewissen und der Verheißung spannen die bekannten Meeresansichten ein weites Bedeutungsfeld auf: vom Sehnsuchtsort bis zum ordnungslos tobenden Raum.
Ausgehend vom Meer als leerem Raum der Staatenlosigkeit wird er in Jana Seehusens Bildmontagen zur verbindenden Projektionsfläche atopischer Ereigniskonstellationen. Sinnbildlicher Träger ist ein Zeitungsausschnitt, der Seewellen und hellen Himmel zeigt. Auf diesem malerisch anmutenden Motiv montiert Seehusen visuelle Konstruktionen, die der Tagespresse entnommene Ereignisse derart kontrovers miteinander verschränkt, dass die Grenze zwischen kulturellem Blick und politischen oder katastrophischen
Ereignissen verschwimmt. Im Über- wie Ineinander Schichten der Bilder werden Inhalte hervorgehoben und verborgen.
Es entsteht eine Topologie mit Lücken und Überlagerungen, wechselnden
Richtungen und Gleichzeitigkeiten, die sich gegen eine chronologisch lineare Vorstellung von Ereignisberichterstattung wenden. In struktureller Nähe zu Warburgs Mnemosyne- Pinnwänden kommt es in der Unregelmäßigkeit der Formate, den Hervorhebungen und Auslassungen zu Leer- und Fehlstellen in den Bildern. Erinnerungen, Ahnungen und auch das Bewusstsein des Vergessens überlagern sich in den Anordnungen, in denen sich die Gleichzeitigkeit und Unerfassbarkeit der Ereignisse potenzieren und so zu
skizzenhaften Abdrücken von Geschichten werden.
In „Auf anmutige Art eine Bestie zu bändigen“ ist das Monströse weniger ein Wesen, viel mehr ein sich wandelndes Moment. Denn dort, wo Ungewissheit und Verheißung aufeinandertreffen, kennzeichnen Begehren und Erfindung unsere Vorstellung von Ereignissen: Doch davon zuversichtlich später mehr.

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